"Die Stadt hat viel Stoff zu bieten"
KENZINGEN. Am Freitag kommt die neue "Pforte" heraus. In der 20.
Ausgabe des Jahrbuchs der Arbeitsgemeinschaft für Geschichte und Landeskunde
in Kenzingen bieten 15 Autoren Einblicke in das Kenzingen von gestern und
heute. Daneben handeln einige Beiträge von der Geschichte am Oberrhein.
10 000 Euro hat der Arbeitskreis investiert, um das Jahrbuch in einer Auflage
von 600 Stück herauszugeben.
Die Macher Klaus Weber, Helmut Reiner und Roland Foerster möchten Interesse
an Geschichte und Forschung wecken. "Ich glaube, dies ist uns wieder
gut gelungen", kommentiert Foerster das neue Jahrbuch für die Jahre
2008/2009. Dieses Mal hat die Arbeitsgemeinschaft darauf verzichtet, sich
einem einzigen Thema zu widmen. Denn bei der Zielsetzung, einen Themenband
mit Beiträgen von kompetenten, aber unbezahlten Fachkundigen auf die
Beine zu stellen, stoße man schnell an Grenzen, erläutert Foerster.
Das gilt auch für die Finanzen: Durch Anzeigen und erwarteten Verkauf
kommen voraussichtlich 6000 Euro zusammen. Der Rest sind öffentliche
Gelder. Über den Preis, der für den neuen Band 15 Euro beträgt,
sei das Jahrbuch nicht zu finanzieren, sagen die Macher.
Von der klassischen Geschichte sei man etwas abgerückt, hin zu Wahrnehmungsstudien,
wie dies auch in der modernen Geschichtsforschung zu sehen sei, so Foerster.
Dazu gehört, sich Zeit zu nehmen, um einen Ort zu betrachten, sagt Weber.
"Es ist überraschend was die Stadt an Stoff zu bieten hat".
Für die Texte zur Wahrnehmung sind im Band auch jüngere Generationen
verantwortlich.
Ein Beitrag ist eine Dokumentation über das aktuelle Kenzingen, die von
der Foto-AG der Hauptschule im Jahr 2005 zusammengestellt worden ist und damals
auch ausgestellt wurde. Bianca Weber-Everenz blickt von Peking aus auf ihre
Heimatstadt. Daneben gibt es einen "grünen Komplex". Lothar
Herb stellt das "Grüne Zentrum" des Kreisverbandes Obstbau,
Garten und Landschaft vor. Im früheren Kreisobstgarten können sich
nun private Gartenbaubesitzer oder angehende Fachwarte für Gartenbau
im Obstbaumschnitt ausbilden lassen.
Der pensionierte Forstdirektor Ulrich Rothfuß schreibt zur "Friedenseiche"
am Vogtskreuz und blickt zurück auf 170 Jahre Forstbezirk Kenzingen,
den es heute nicht mehr gibt. Philipp Rupf blickt über den Rhein und
erzählt von der Geschichte des Elsass. Auch die Baugeschichte ist vertreten:
Bertram Jenisch zu mittelalterlichen Burgen, Walter Hess zu den Kenzinger
Kirchtürmen und Berthold Mäntele zu Putten vom Kenzinger Friedhof.
Der pensionierte Historiker Norbert Ohler widmet sich dem Mönchtum im
Mittelalter, der Buchmalerei im Wonnental und den Nazis in Teningen. Zu diesem
Thema bietet Helmut Reiner einen Aufsatz über die Kenzinger Stolpersteine
zur Erinnerung an die Juden aus der Stadt. Eine umfassende Geschichte über
die Nazis in Kenzingen sei nicht zu machen, weil es keine Quellen dafür
gebe, so Foerster. Reiner widmet sich auch dem Kenzinger Philosophen Heinrich
Ochsner und bespricht einige Geschichtsbücher. Gerhard Everke schreibt
von den Bemühungen um die Kenzinger Stadtpfarrkirche um 1820 und Walfried
Müller über die Geschichte der Hecklinger Familiennamen. Und: der
evangelische Stadtpfarrer Hans-Heinrich Schneider ruft seine Predigt beim
Gottesdienst zum Bombacher Weinfest vor zwei Jahren ins Gedächtnis.
Quelle: Badische-Zeitung.de